Der Deserteur: Sehnsucht, Enttäuschung, Bitterkeit
- Katja Schnitzler
- 24. Juni 2019
- 1 Min. Lesezeit
Auch dieses Gedicht hat Gustav am 19. Februar 1914 verfasst und mit der Unterschrift "Geschrieben aus Langeweile" versehen. Solche Worte aus Langeweile? Vielleicht Ironie, vielleicht aber auch die Wahrheit.
Es heißt ja oft, dass Langeweile - der Leerlauf im Gehirn - die Kreativität erweckt und Dinge ans Tageslicht bringt, die einen dann zumeist selbst verwundern. An unseren Kindern können wir das gut beobachten - wie aus dem "Mama, was soll ich spielen?" plötzlich die fantasievollsten Hirngespinste, Bilder und Geschichten entstehen. Leider kommt bei uns Erwachsenen die Langeweile viel zu selten auf.

Doch zurück zu Gustav und seinem Gedicht "Der Deserteur".
Wir begegnen einem Soldaten, in einem Moment unfassbarer Verzweiflung. Er ist desertiert und wahrscheinlich nach langer Flucht seiner Heimatstadt - oder "Vaterstadt" wie er seine Worte wählt - zum Greifen nahe. Beim Anblick der Stadt überwältigt ihn entgegen jeder Vernunft die Sehnsucht nach der geliebten Heimat, der lieben Mutter und seiner Geliebten. Zusammen lassen ihn die Erinnerungen und Gefühle dazu hinreißen, sein Versteck aufzugeben, um die Stadt zu betreten, wissend dass er ein gesuchter, ausgestoßener Mann ist, dem die Todesstrafe droht.
Und all seine Hoffnungen aus den langen Jahren des Wartens und der Sehnsucht werden binnen Augenblicken zerstört.
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